Endlich schaffe ich es mal wieder einen Blogeintrag zu schreiben. Vor einem Monat hat hier schon die Uni angefangen, und hat mich mittlerweile auch schon fest im Griff. Ich belege drei Module (wir würden das wahrscheinlich als Kurse bezeichnen, aber hier heißt ein Kurs Modul, weil einen Kurs unterschiedliche Dozenten leiten): Development Issues in Rwanda (inklusive einem extra Kurs zu „Land use management“, Socio-economic development und Critical Sociology and Communication. Das System in Butare ist etwas anders als in Mannheim. Ich habe zwei Blöcke am Tag: Einen morgens von 8 bis 12 Uhr, und einen nachmittags von 14 bis 18 Uhr, jeweils mit kleiner Pause in der Mitte der Blöcke. Die Kurse sind sehr interessant, und besonders spannend finde ich zu hören, wie die Entwicklung eines Landes aus ruandischer Perspektive unterrichtet wird. Ich bin natürlich die Attraktion gewesen, als einzige weiße Studentin auf dem Campus, und wurde schon sehr oft für eine Dozentin gehalten. Im Laufe der Zeit haben sich die Studenten in der Sozialwissenschaftlichen Ecke mehr oder weniger an mich gewöhnt, aber wenn ich in die Hauptbibliothek gehe, dann ist das „Gegucke“ wieder ganz groß.
Insgesamt würde ich den Unterricht in Butare als weit interaktiver bezeichnen als in Mannheim. Die Kurse sind Mischungen aus einer Vorlesung und einem Seminar mit einer Klausur am Ende. Das finde ich persönlich um einiges effektiver als das System in Mannheim, bei dem man den Vorlesungsstoff am Ende des Semesters einfach ins Kurzzeitgedächtnis klopfen muss und wo die Seminare keine permanente Aufmerksamkeit verlangen, weil keine Klausur am Ende geschrieben wird. Momentan befinden wir uns in Butare in einer Gruppenarbeitsphase, das heißt in jedem Modul wurden Gruppen gebildet und wir müssen zu unterschiedlichen Themen recherchieren, Berichte schreiben und die Ergebnisse präsentieren (z.B. „Land use policy in Rwanda“ oder „Cooperative and ICT development in rwandan rural areas“).
In der Zwischenzeit habe ich auch weitere nicht universitäre Erkenntnisse bekommen. Beispielsweise weiß ich jetzt, dass Socken auch bei Handwäsche verloren gehen können. Ich vermisse schon zwei. Ich dachte, sowas geht nur wenn man Socken zusammen mit Bettwäsche in der Waschmaschine wäscht, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Weitere Erkenntnis: Mein Trizeps ist nicht stark genug. Ich mache seit letzter Woche Yoga und mir wurde mitgeteilt, dass ich den „Upward facing dog“ nicht richtig machen kann, weil der Trizeps nicht trainiert ist. Jetzt habe ich Liegestützen als Hausaufgaben gekriegt. Tut gut, wieder Sport zu machen, wo ich doch sonst fast nur am Schreibtisch oder in der Uni sitze..
Ich habe hier noch einige Leute, u.a. aus Europa, kennengelernt und zusammen erkunden wir hier die „Hinterhof-Restaurants“ der schönen Studentenstadt Butare, die man nur findet wenn man weiß, dass sie da sind wo sie sind. Demnächst wollen wir man nach Muhanga fahren, dort ist ein sehr großer Markt mit viel gespendeter Kleidung aus dem guten, alten roten Kreuz, und dann gehen wir mal richtig shoppen und kleiden uns neu ein : ) Also wer denkt die in Europa gespendete Kleidung geht an die „armen Menschen in Afrika“, der täuscht sich, die geht an die reichen Touristen wie mich oder an gut verdienende Ruanderinnen und Ruander. Mittlerweile habe ich mir hier aber auch schon eine Hose schneidern lassen, das ist ganz praktisch, da man sich vorher den Stoff selbst kauft und somit volle Entscheidungsfreiheit hat. Hab nur leider vergessen zu sagen, wie rum ich den Stoff haben will, und jetzt sind die Vögelchen auf dem Kopf. Aber das macht die Hose nur noch individueller.
Ansonsten wurde ich mittlerweile von einer netten Skypegefährtin zu Hause für mein „african english“ ausgelacht : ) Aber schlimm finde ich mein Englisch gar nicht, es ist um einiges besser geworden als es vorher war, schon allein dadurch dass ich es hier viel öfter benutze. Witzig ist, dass ich jetzt ganz gut zwischen dem „afrikanischen“ Französisch und dem „normalen“ Französisch wechseln kann, je nachdem mit wem ich spreche. Die „afrikanische“ Variante ist etwas härter und abgehackter und hat auch eine etwas Aussprache, je nach Wort, während die französische Variante mehr „fließt“. Sonst ist mir noch aufgefallen, dass jedes mal wenn ich etwas auf Kinyarwanda nicht sagen kann, ich dann versuche Spanisch zu sprechen. Kinyarwanda und Spanisch klingen wie ich finde sehr ähnlich. Und dann kommt das Wort immer auf Spanisch, und ich muss mich aktiv zwingen es auf Englisch oder Französisch zu sagen.
Ganz witzig sind wirklich die vielen Affen hier, man sieht sie zwar nicht überall und auch lang nicht jeden Tag, aber ab und zu kommt immer mal wieder so eine Affenfamilie in die Stadt und turnt ein bisschen auf den Dächern und Bäumen rum. Straßenhunde oder Katzen habe ich aber fast gar nicht gesehen, weder in Kigali oder sonst irgendwo, vielleicht mal irgendwo einen einzelnen Hund, aber nicht mehr.
Mittlerweile habe ich auch eine Adresse:
Huye District
Southern Province
Po Box 241 Huye
Butare
Rwanda
Freue mich auf Post! : )
Und mal auf einen Kommentar, damit ich mal weiß wer das hier überhaupt denn ließt…..?
Hallo Alskj,
wir haben uns wieder auf deinen neuen Beitrag gefreut!
Wer weiß, vielleicht ist es deine Zukunft – Dozentin an der Uni in Ruanda ;-)…
Iiich lese es – Und ich habe dir übrigens eine Postkarte geschickt, aber ich glaube dass sie nicht ankommen wird, weil ich nicht genug Briefmarken draufgeklebt habe…
Ich finde toll was du machst aber wir vermissen dich!