Eiscreme mit Bananenkuchen

Nachdem ich nun alle VIP’s der Uni kennenlernen durfte (wobei ich in manchen Kreisen ja auch VIP zu sein scheine), habe ich letzten Freitag mal einen Ausflug auf eigene Faust nach Kigali unternommen. Ich habe sogar das Mototaxti genommen und den (richtigen) Bus, und war am Ende des Tages schon etwas stolz, mich alleine zurechtgefunden zu haben. Manche Leute haben ja, vielleicht auch zurecht, Angst, dass ihnen Handy oder Geldbeutel abhanden kommen, aber damit hatte ich bisher keine Schwierigkeiten. Nein, Ziel meines Tages war es, eine neue Brille zu beschaffen. Ich habe es nämlich irgendwie am zweiten Tag geschafft, in einer Disco in Kigali meine Brille zu verlieren. Glücklicherweise habe ich noch meine Opa-Ersatzbrille dabei, sodass ich nicht ganz blind bin, sondern nur ein bisschen. In zwei Wochen soll sie nun fertig sein, und ich darf sie in Kigali abholen kommen. Hiermit sei nun auch den Reiseführern widersprochen, die behaupten in Ruanda sei es schier unmöglich, eine neue Brille zu beschaffen. Die zwei ruandischen Optiken in Kigali bei denen ich war unterscheiden sich in nichts zu den deutschen Filialen. Sogar nicht in den Preisen.

Am Samstag war ich daraufhin auf ein Graduation-Fest eingeladen. Die älteste Tochter von Charles (meinem Ansprechpartner für alles) hat gerade ihren Abschluss in Chemie gemacht, uns aus diesem Grund wurden sehr viele Gäste eingeladen, es gab viel leckeres Essen, viele Reden und Lieder auf Kinyarwanda. Die netten jungen Herren die um mich saßen haben fleißig übersetzt, sodass ich wie ich finde noch ganz gut mitgekommen bin.

Heute habe ich mich dabei ertappt, wie ich eine (mir unbekannte) „muzungu“ angeglotzt habe. Es war wirklich irgendwie ungewohnt, eine weiße Person zu sehen : D Obwohl sich Butare in den letzten Tagen nach und nach mit eideutig nicht-ruandischer Bevölkerung füllt. Vielleicht ist gerade die Hoch-Urlaubszeit. Ansonsten bin ich jetzt dazu übergegangen, dass ich mich den Leuten die mich mit „muzungu“ ansprechen jetzt persönlich vorstelle, meinen Namen sage und sie bitte mich nächstes mal nicht mit „Hallo Muzungu“ sondern mit „Hallo Alexandra“ zu begrüßen. Mal schauen, ob’s klappt. Parallel wächst in mir langsam der Wunsch nach Nichtbeachtung. Was lerne ich daraus? In Zukunft keine schwarzen oder sonst irgendwie aus der Masse hervorstechenden Leute auf der Straße anzuschauen. Da ich nun aber einen echten ruandischen Ohrwurm-Klingelton habe bin ich zuversichtlich, bald etwas ruandischer rüberzukommen ; ) Der Klingelton lädt total dazu ein, mitzupfeifen, allerdings gilt das in Ruanda für Frauen leider als sehr schlechter Ton, und jetzt muss ich mich sehr zurückhalten wenn das Telefon klingelt.

Was die Uni angeht, so hätte eigentlich die Orientierungswoche heute, am 1. September, losgehen sollen. Allerdings wurde diese nach hinten verschoben, meines Wissens nach aufgrund von einem technischen Problem im System. Heute morgen war ich auf dem Campus unterwegs um mir meinen Zugang zum Uni-Wlan einrichten zu lassen, und habe dabei erfahren, dass der Dekan leider auch nicht genau wusste, wann es eigentlich losgeht. Hier muss man wohl einfach „go with the flow“ leben dachte ich mir und habe erst mal geflowt. Unverschämterweise wurde in meinem Flow nur kurze Zeit später unterbrochen als mir die Semesterzeiten doch noch zugeschickt worden sind. Das heißt aber auch für mich, dass ich die nächsten drei Wochen das Land erkunden darf, bevor es dann losgeht. Fazit: Es ist durchaus sinnvoll, für den Fall der Fälle etwas Spontanität im Gepäck dabei zu haben.

Insgesamt habe ich mich nun aber schon ziemlich eingewöhnt, und da ich nun schon die Hunderterschritte kann, kann ich sogar auf Kinyarwanda auf dem Markt einkaufen gehen. Auf jeden Fall werde ich in Deutschland die Motos vermissen. Nie wieder auf Bus oder Zug warten, das ist schon Luxus. Schade nur, dass es morgens und abends so kalt ist. Ich habe mich letztes mal ja schon über das schwüle und drückende Wetter beschwert, aber mittlerweile bin ich froh, Strumpfhosen und Pullis mitgebracht zu haben. Und zu guter Letzt habe ich das Moskitonetz eingeweiht, in dem ich ein erstes Loch reingemacht habe.

Bis morgen ist noch Besuch aus Deutschland in Butare, sodass wir zusammen viel unternommen haben. Wir waren in Rwabuye, einem Vorort von Butare, ifi (Fisch) essen, wobei uns ein mobiles Waschbecken (eine Plastikwanne mit einem Seifenspender) an den Tisch gebracht worden ist und die Hände aus einer Kanne mit warmem Wasser übergossen wurden. Außerdem waren wir ubugari essen, ein großer Teigklumpen, von dem man sich mit den Fingern einen kleinen Teil abzupft und in Soße tunkt. Und es gab Spaghetti, und Salat, und süße Brötchen vom Becker, und Moccachino und Eiscreme mit Bananenkuchen und was das Herz begehrt…

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Eine Antwort zu Eiscreme mit Bananenkuchen

  1. Julia sagt:

    Du kannst gar nicht pfeifen, mach dir mal also keine Sorgen wegen dem schlechten Ton : D

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